S T O R Y

Der Krieg zwischen Shiftern und Vampiren ist vorüber. Die übernatürlichen Wesen der Stadt versuchen sich neu zu ordnen. Nicht Jeder begrüßt den Frieden.

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P L O T

Alte Freunde und Feinde
... unserer New Yorker Bewohner, halten Einzug in die Stadt. Nicht jedes dieser Wiedersehen wird gut ausgehen. Wird die Vergangenheit die Zukunft der Stadt beeinträchtigen?

Gekidnappt
Übernatürliche Wesen verschwinden spurlos. Hat eine neue unbekannte Gefahr es auf die Jäger der Stadt abgesehen?
I N P L A Y

Januar 2017 - April 2017

ACHTUNG!
Immer noch Unruhen in der Stadt // Die Menschen sind skeptisch // Zahl vampirneugieriger Touristen 2017 bei 60,5 Mio.
T E A M

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Nevermore: The Echoes of a Broken Wing
#3
Rape my mind

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Zeitachse 1995-2005

Die Kugel frisst sich durch meinen Schädel, peitscht mein Haar auf wie ein Nest wilder, sterbender Schlangen. Zeitlupe. Ich stürze zu Boden und ziehe eine dicke, heiße Spur aus Rot über das vermoderte Laminat. Fuck. Sterben ist anders, als diese verlogene Welt es einen weiß machen will. Kein Licht, keine Erlösung. Vielleicht war es pures Glück, dass mein Stammhirn nicht zerfetzt wurde, vielleicht hatte das Schicksal aber auch einfach nur sadistische Pläne mit mir. Karma ist unbarmherzig – und mein persönliches Fegefeuer bestand darin, weiter zu atmen. Gefangen in einem fiebrigen, zähflüssigen Albtraum zwischen den Welten.

Ich will schreien, der Schmerz kocht in meiner Kehle, doch statt eines Lautes würge ich nur pechschwarze Federn hoch. Mein Geist driftet ab, zurück in dieses Elend von Zimmer. Ich öffne eine Schublade meiner Erinnerung und starre auf dein zerknittertes Bild. Es liegt direkt neben einem von Harlans alten, fleckigen Männermagazinen, verklebt von billigem Schnaps. Du hast diese kühle, verlebte Schönheit, Chelsea. Wasserstoffblondes Haar, das das spärliche Licht bricht, und dieses arrogante Grinsen. Dem meinen ebenbürtig. Aber ich war dir wohl egal, denn du hast mich sitzen lassen. Hier bei ihm. In der absoluten Finsternis. Gefangen in einem Mikrokosmos aus purem Hass, Missbrauch, Gewalt und dem trügerischen Kitsch einer heilen Vorstadtidylle. Ich hasse dich dafür. Ich brauche dich. Und ich werde dich suchen, bis ich dich finde.

Ich fahre hoch, erwache in einem sterilen, nach Desinfektionsmittel und Angst riechenden Raum, umzingelt von Polizisten und einer zitternden Krankenschwester. Sie gaffen mich an, als wäre ich eine frisch entdeckte, abartige Spezies. Naja, vielleicht stimmt das sogar. Ich schweige. Worte sind verschwendete Energie. Mein Statement habe ich bereits abgegeben – eine Remington-Shotgun spricht nun mal lauter als tausend Worte. Aber diese Geier geben sich nicht zufrieden. Sie sind wie Parasiten, die sich in eine frische Wunde fressen, gierig nach Sensationen, bis sie vollgesaugt sind. Und mich nennen sie ein Monster?

Sie päppeln meinen zerschossenen Körper auf, gerade so weit, dass ich nicht verrecke, und halten mir ein Mikrofon vor die spröden, verkrusteten Lippen. Das aufgeregte Reden des Reporters rauscht an mir vorbei wie das tote Störgeräusch eines alten Radiosenders. Fragen über Fragen. Ein einziger akustischer Brei. Ich ignoriere sie alle, bis dieses eine Wort durch den Raum hallt: „Warum?“
Die Kamera zoomt brutal nah auf mein blasses Gesicht, auf den dicken Verband um meine Stirn. Meine Miene bleibt kalt wie Stein, nur ein winziger, spöttischer Anflug eines Lächelns stiehlt sich auf meine Lippen. Mein Blick fixiert das Objektiv – seelenlos, schwarz, direkt in die Wohnzimmer von Millionen von Heuchlern.

„Weil ich es konnte.“

Totenstille. Die Kamera läuft weiter, während meine eigene raue, kaputte Stimme in meinen Ohren nachhallt. Schon seltsam, wie ein einziger Satz eine ganze Nation bis ins Mark erschüttern kann. Zum ersten Mal in meinem Leben fühle ich mich mächtig.

Doch der Rausch verfliegt schnell. Sie führen mich ab. Die nächsten Jahre in den sterilen, endlosen Fluren der Psychiatrie fühlen sich an, als würde ich knietief durch Teer waten. Jeder Schritt zieht mich tiefer in den Sumpf.

Dann kam Dr. Vane. Der leitende Psychiater. Er roch nicht nach der üblichen Mischung aus billigem Kaffee und falschem Mitleid. Seine Aura war anders – dunkel, schwer, vibrierend vor unterdrückter Macht. Ähnlich der meinen. Wenn er die schwere Stahltür hinter sich schloss, veränderten sich seine Augen; das Weiß darin schien für Sekundenbruchteile von einer schwärzlichen Trübung verschlungen zu werden. Er verabreichte mir ein Mittel, das tief in meine Venen biss. Tausendmal stärker als jedes herkömmliche Beruhigungsmittel. Eine süße, lähmende Betäubung. Wenn er mit seinem tiefen Bariton zu mir sprach, strich mir eine unsichtbare, eiskalte Präsenz über die Kopfhaut.

„Du bist etwas Besonderes, Samantha“, raunte er, während er mir eine weitere Dosis verpasste und mich kalt anlächelte. „Aber sie dürfen es nicht erfahren. Diese Menschen sind nicht bereit für das, was wir sind. Noch nicht. Lass sie glauben, du seist gebrochen.“

Er schützte mich vor der Außenwelt, hielt die anderen Ärzte fern, um mich als sein eigenes, privates Forschungsobjekt im Tiefschlaf zu halten. Erst Jahre später begriff ich, was er wirklich war: Ein Raubtier im Maßanzug, ein Dämon, der sich am Wahnsinn der Sterblichen labte und in mir eine zukünftige Bedrohung – oder die perfekte Verbündete – sah.

Das Zeug hielt die kranken Träume im Zaum. Ich vegetierte vor mich hin, schlief mehr, als ich wach war. Ich fraß kaum etwas, lud meine dämonische Batterie nicht auf. Ich vertrocknete wie eine Zimmerpflanze, die man in einer dunklen Ecke verrotten lässt.

Bis Jeff auftauchte. Ein pflichtvergessener Pfleger mit gierigen Augen, der meine katatonische Hilflosigkeit für eine Einladung hielt. Für ihn war ich nur eine lebendige Puppe aus Fleisch und Blut. Seine Hände wanderten überallhin, verletzten die Grenzen, die ein Pfleger einhalten sollte. Er flüsterte mir leise, zärtliche Worte ins Ohr, während er mich wusch. Diese trügerische, verlogene Sanftheit… genau wie mein Vater, wenn er nach billigem Alkohol stinkend nachts an mein Bett schlich und mir ein geheucheltes „Ich liebe dich“ ins Ohr säuselte. Welche bodenlose Verhöhnung.

Ein absolut erbärmlicher Mensch. Aber solche Menschen haben einen großen Vorteil: Sie sind nützlich, wenn man weiß, wie man sie benutzt.

Ich spielte das leblose Wrack, sparte jede noch so winzige Faser meiner Kraft. Eines Nachts zog er mich tiefer in die Eingeweide der Anstalt, hinab in den feuchten, dunklen Keller, wo die ausrangierten Betten und Rollstühle zwischen Spinnenweben und zentimeterdickem Staub standen. Er drängte mich auf eine alte Matratze, blind vor Verlangen, und dachte nicht im Traum an Gegenwehr.

Dummer Fehler, Jeff.

In dem Moment, als sein Atem mein Gesicht traf, zündete der Funke. Mein dämonisches Blut, das Dr. Vane so lange betäubt hatte, kochte schlagartig hoch. Ich spürte das Pochen seiner Halsschlagader, die pralle Lebenskraft, die durch seine Venen schoss. Mit einer plötzlichen, unnatürlichen Schnelligkeit warf ich mich herum und saß auf ihm. Meine Finger schlossen sich um seine Kehle wie eiserne Krallen.

Er glotzte mich mit großen Augen an, hielt es im ersten Moment für ein sadomasochistisches Spiel, einen gefährlichen Rollentausch. Er begriff gar nichts. Erst als ich anging, seine Energie zu saugen, schlug das Vergnügen in nackte Todesangst um.

Es war kein normales Würgen. Ich trank ihn regelrecht. Ich spürte, wie seine Lebensenergie – heiß und berauschend – durch meine Hände direkt in meinen ausgetrockneten Kern floss. Ein Erwachen. Ein brutaler Rausch, intensiver als jede Droge. Seine Haut wurde aschfahl, seine Augen trübten sich, während meine eigenen Wunden aufhörten zu brennen und die Kraft in meine Muskeln zurückkehrte. Als er schlaff unter mir zusammenbrach, zuckte sein Körper nur noch einmal kurz. Tot. Ausgesaugt bis auf den letzten Rest.

Ich verlor keine Zeit. Ich zog seine Pfleger-Uniform an und ließ den leblosen Körper im Staub zurück. Auf dem Weg nach oben spürte ich Vanes Präsenz in seinem Büro – er wusste, dass ich frei war. Ich spürte sein amüsiertes, lauerndes Gedankenecho in meinem Kopf: Lauf, Samantha. Zeig mir, was in dir steckt. Er hielt mich nicht auf. Er wollte sehen, wie das Monster jagen geht.

Am Ausgang versperrten mir zwei Nachtwächter den Weg. Ich fixierte ihre müden Augen, atmete den Duft von Jeffs Parfüm ein, der noch in der Uniform hing, und warf meine Kräfte nach vorne. Ich verzerrte den Raum, wob eine dichte Illusion um ihre Sinne. Sie sahen nicht die gesuchte Amokläuferin Samantha. Sie sahen Jeffs Gesicht, das ihnen ein gehetztes „Schönen Feierabend, Jungs“ entgegengrinste.

Das Summen der elektronischen Türverriegelung klang wie Musik in meinen Ohren. Das Tor schwang auf. Die kalte Nachtluft von New Jersey schlug mir ins Gesicht – und die Dunkelheit hieß mich endlich wieder willkommen.
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RE: Nevermore: The Echoes of a Broken Wing - von Samantha Hawthorne - 20.05.2026, 18:55

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