09.09.2023, 18:38 - Wörter:
Teil III
Die Männer lebten noch. Sie hatten Jack vergessen, zumindest ging er davon aus, das die Manipulation gewirkt hatte. Der Vampir war gleich darauf zurück in seine Villa gekehrt. Hatte begonnen die Werke Lillits aus dem Atellier heraus zu holen, sie in Kisten zu packen und auf den Dachboden zu bringen. Dabei hatte Jack bemerkt das es eine Stelle dort oben gab, die er nicht betreten konnte, weil ein Dachfenster das Tageslicht hinein strömen ließ. Da der Dachboden jedoch groß genug war, tat das keinen Abbruch an dem was er sich in den Kopf gesetzt hatte. Den halben Tag verbrachte er damit, ehe er sich wieder an den Schreibtisch setzte und versuchte Lucrezia einen Brief zu schreiben. Wieder wollte ihm nichts einfallen. Wieder fand er nicht die richtigen Worte. Schlussendlich ließ er das Geschriebene einfach auf dem Schreibtisch liegen und begab sich in sein altes Schlafzimmer, wo er sich tatsächlich zur Ruhe legte. Er hatte eine Spur. Es war nicht das was er gewollt hatte, aber er hatte eine Spur und das war alles was zählte.
Als der Abend herein gebrochen war hatte sich Jack auf dem Weg gemacht und nun stand er in der Eingangshalle des Bethlehem Royal Hospital und wartete auf einem Stuhl, während sein Blick umher glitt. Dieses Haus alleine hatte von außen schon eine eigenartige Wirkung. Es wirkte groß und gleichsam irgendwie eng. Die großen Fenster hatten zumeist Gitter davor und der Boden wirkte viel zu steril. Dabei war das hier kein gewöhnliches Krankenhaus. Jack nestelte an den Ärmeln seines Hemdes, ließ den Blick über ein paar Menschen gleiten, deren Herzen teilweise ruhig und teilweise sehr schnell schlugen. Dabei drang ein Herzschlag ganz besonders hervor: Jener von einer Frau, die etwa Mitte dreißig war und auf einer Treppenstufe saß, sich selbst vor und zurück wiegte, als hätte sie gerade fürchterliche Angst. Einen Moment lang glitt ihr Blick zu ihm hinüber und ihre Augen weiteten sich, ehe sie von der Treppe aufstand, die Arme um sich schlang und im Innern des Gebäudes verschwand. "Mr. Carter?" Jack blickte nicht direkt auf, denn obwohl er außgerechnet Laurens Namen gewählt hatte, statt seinem eigenen Namen, war er doch nicht darauf gefasst, so angesprochen zu werden. Warum er Laurens Namen genannt hatte? Weil ihm kein anderer eingefallen war, verdammt! Gleichsam hatte Jack geglaubt, wenn er seinen echten Namen näme, dass was auch immer heute passierte irgendwie auf ihn zurück fallen könnte und das wiederum wollte er nicht. "Mr. Carter?" Jack blickte nun auf, erhob sich und schritt auf die Frau hinüber, die ein Klemmbrett in ihrer Hand hielt auf der irgendwelche Daten angegeben waren. "Sie sind Mr. Carter?" Jack lächelte. "Ja, das bin ich." ließ er sie wissen und die Frau hob leicht die Brauen in die Höhe, blickte ihn kritisch an. "Folgen Sie mir, Dr. Branson will mit Ihnen reden." Jack blinzelte leicht. "Ich hatte eigentlich vor zu..." Die Frau unterbrach ihn einfach: "Ich habe meine Anweisungen Mr. Carter!" Ja ja, Anweisungen. Jack stieß ein gedehntes Seufzen aus, folgte aber der Frau hinüber zu einem Raum und ließ sich dort auf Geheiß auf einem Stuhl gegenüber eines Schreibtisches nieder.
An den Wänden waren sogenannte Motivationsposter oder waren es Philosophieposter? Auf einem stand sowas wie: "Die Seele ist wie ein Gefäß aus Kristallglas. Zerschlägt man es, bleiben Risse." Sonderlich motivierend klang das definitiv nicht. Jacks Blick glitt über den Schreibtisch, wo er einen Bilderrahmen sah, nach dem er kurz griff um diesen umzudrehen und darauf nieder zu blicken. Der Bilderrahmen zeigte eine dunkelhaarige Frau mit einem kleinen Jungen und einem Mann. Alle drei lächelten in die Kamera. Die Schritte die er von Weitem vernahm, ließen Jack das Bild wieder zurück drehen und sich zurück lehnen. Schlussendlich öffnete sich die Tür und jene Frau von dem Bild - nur eben in etwas älter - betrat den Raum. Jack stand unweigerlich auf, reichte ihr die Hand und stellte sich als Steve Carter vor, woraufhin die Frau ihm ihren Namen nannte - den er aber schon kannte, weil er ja zuvor gefallen war und sich wieder nach ihrem Geheiß nieder ließ. Die blauen Augen sahen die Frau an, die nun ihre Hände auf dem Schreibtisch faltete. Psychologin? Man mochte meinen, das wenn man mit einer zusammen war, man damit irgendwie zurecht käme. Tat Jack aber nicht. Er war auf alles gefasst und wusste gleichsam nicht was ihn hier erwarten würde. Wenn sie ihn durchschaute? Aber so falsch war seine Geschichte ja nicht einmal. "Meine Kollegin sagte, Sie hätten nach Mr. Reese gefragt." Jack nickte. "Richtig, ich habe nach ihm gesucht und ich würde ihn gerne sehen." Die Frau ließ die Brauen etwas in die Höhe rucken. "Nun, wir sind eine Klinik. Keine Ferienwohnung. Zudem ist Mr. Reese Zustand kritisch. Und Besuch hatte er schon seit Jahren nicht mehr. Wir wissen nicht wie er darauf reagiert." Jack nickte leicht. "Nun, aber ich muss ihn sehen." Die Frau neigte den Kopf leicht zur Seite, lehnte sich schlussendlich zurück und sah Jack prüfend an. "Warum wollen Sie ihn sehen?" Jack musste an sich halten um nicht mit den Augen zu rollen. Er wollte das hier auf die altmodische Art hinbekommen, auf die gewöhnliche. Es wäre besser, zumindest glaubte er das.
"Mr Reese und ich sind verwandt." Die Frau blickte überrascht drein und gleichzeitig wurde ihr Blick fagend. "Ich bin sein Sohn." Was nicht einmal gelogen war, nicht wenn es sich wirklich um den Mr. Reese handelte, den er suchte. "Sie sind ein wenig jung, meinen Sie nicht? Mr. Reese ist schon sehr lange hier. An die 30 Jahre und Sie sehen nun nicht wirklich älter aus als vielleicht Mitte 30. Wenn es hoch kommt. Außerdem war Mr. Reese kinderlos." Jacks Kiefer malten fest aufeinander. "Mr. Carter.. wenn Sie denn so heißen. Sollte ich in Erfahrung bringen, das sie einem meiner Patienten schaden wollen, dann..." Jack stand auf, brachte die Frau dazu ihre Worte zu unterbrechen. Gut, dann eben nicht auf die altmodische Art. Jack trat auf sie zu und vernahm unweigerlich den Herzschlag der Frau, der etwas anzog. Noch bevor sie irgend etwas tun konnte, griff Jacks Hand zu ihrer Kehle, drückte leicht zu. "Wir hätten das auf die einfache Art machen können." ließ er sie wissen und neigte nun seinerseits den Kopf etwas zur Seite, woraufhin die Frau nach seiner Hand griff und ein Röcheln hervor würgte. Wollte er so sein? War er so? Es wäre ein Leichtes ihr Genick wie einen Zweig zu zerbrechen, aber was brachte ihm das? Wenn er sie tötete, würde Jemand sie finden können und wer wußte ob er ohne sie dahin könnte, wo er hin musste. Jacks Miene entspannte sich wieder, als sein Blick in den Ihren vordrang und er sich so gut es ging konzentrierte, trotz das er selbst spürte das er über die Maße aufgedreht war. Vielleicht aufgrund dessen wie weit er bereits gekommen war, vielleicht auch aufgrund ganz anderer Dinge. Wer wusste das schon? Bisher hatte er noch nicht heraus bekommen, was ihn wirklich prägte.
"Sie vergessen jetzt mal ihre Abneigung und Skepsis mir gegenüber und glauben mir das ich Reese Sohn bin und mich nur um ihn sorge. Sie haben schon lange nach seinem Kind gesucht, dass sich um ihn kümmern kann und sind nun über die Maße erleichtert mich gefunden zu haben und jetzt seien Sie so nett und erzählen mir alles über Christopher Reese, das ich wissen muss." Jack sah in ihren verklärten Blick und ließ sachte, langsam los. Die Frau entspannte sich wieder in ihrem Stuhl und Jack nahm schlussendlich auf dem Seinigen Platz als ihm gewahr wurde das der Trick offenbar funktioniert hatte. Die Frau blinzelte leicht, sah Jack an und lächelte schlussendlich. "So ein Glück, das wir Sie gefunden haben, Mr. Carter." Das klang doch schon viel besser. Jack lächelte ihr zu, sah wie die Dame aufstand und schlussendlich zu einem Schrank hinüber ging um eine Akte daraus hervor zu holen. Mitsamt dieser Akte bewegte sie sich wieder auf den Schreibtisch zu und legte diesen vor Jack hin. "Mr. Carter, ihr Vater ist, wie schon gesagt in einem kritischen Zustand. Er kam hierher mit etwa Anfang 30. Damals sprach er von Alpträumen und Aussetzern. Er sprach davon, dass er etwas gesehen hätte, das es ihn nicht los ließe." erklärte sie und Jack hörte ihr aufmerksam zu. "Er hatte furchtbare Angst vor.. ihm. Jack verformte die Augen zu feinen Schlitzen. "Ihm?" fragte er nach und die Frau neigte sich etwas über den Schreibtisch in seine Richtung. "Wie gesagt, Wahnvorstellungen. Ihr Vater war der festen Überzeugung das ein Dämon es auf ihn abgesehen hätte. Er sah ihn im Spiegel, wenn er hinein sah. Er sah ihn in seinen Träumen, sprach davon das er sich fern gesteuerte fühlte." Jack blinezelte leicht. Makaras? Aber der Dämon war in Lucrezia gewesen, er war nicht mehr in Christopher Reese. "Heute faselt er nur noch vor sich her. Es gibt Zeiten da ist er unsagbar wütend und wirft mit allem was er gerade in die Hände bekommt nach uns. Er beschimpft uns, das wir unwissen wären, blind. Und im nächsten Moment ist er ruhig und aufgelöst wie ein kleiner Junge. Ohne Beruhigungstabletten kommt er nicht zur Ruhe." Der Vampir stieß leicht Luft aus. So verrückt war dieser Mann seines Erachtens nicht.
"Wie hat das alles angefangen?" fragte er und die Frau wirkte überrascht das er dies fragte. "Mr. Reese war Schriftsteller. Das war sein Traum. Er liebte Bücher, wie Sie wissen und er konnte mit Worten umgehen wie kaum Jemand. Dabei heißt es immer Männer wären dazu nicht fähig. Und andersherum gibt es viele Schriftstellerinnen, die sich für Männer ausgeben, weil sie sonst nicht ernst genommen werden..." Jack war nicht wirklich interessiert an dieser Offenbarung, was die Gute wohl zu bemerken schien. Sie blinzelte leicht, ehe sie fortfuhr: "Nachdem die Wahnvorstellungen anfingen begann er seine Muse zu verlieren. Er bekam keinen klaren Satz mehr forumliert. Wenn er schrieb, schrieb er von grausamen Dingen und wenn er die Worte las, wurde ihm erst bewusst was sein Hirn da fabrizierte. Er suchte sich daher psychologische Hilfe, doch es wurde nicht besser. Ein Mann der von Dämonen redet. Das ist kritsch, meinen Sie nicht?" Jack sah sie einfach nur an. War es das? Nicht, wenn man die Augen öffnete! "Er sagte immer es hätte mit ihr begonnen..." Jack zog die Brauen zusammen. "Mit ihr?" "Liz nannte er sie. Die Frau die unerreichbar war. Mehr hat er über sie nicht erzählt, nur das sie wohl hübsch gewesen ist, blond, blaue Augen. Er sprach davon das sie etwas mit ihm gemacht hatte. Etwas geweckt hatte." Jack wurde irgendwie übel bei dieser Erzählung. "Kann ich ihn sehen?" Die Frau blickte irritiert drein. "Ich glaube nicht das..." Jack sah sie direkt an, aber dieses Mal ließ er keine Manipulation wirken. "Bitte." stieß es sich über die Lippen des Vampirs, ehe die Frau sachte nickte. "Folgen Sie mir."